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Deswegen ist es so wichtig, FK als MA zu sehen

Mit den verschiedenen Hierarchien umzugehen in der betrieblichen Prävention ist manchmal nicht so einfach.

In der Podcast-Episode 108 erzähle ich Ihnen eine Geschichte, die zeigt, warum es so wichtig ist, dass wir Führungskräfte nicht nur als Verantwortliche für Gesundheit und Sicherheit sehen. Sondern auch als Betroffene und selbst als Mitarbeitende.

Ich will heute mal von einer Situation erzählen, wo ich ganz deutlich am eigenen Leib gespürt habe, dass es in der betrieblichen Prävention manchmal nicht so einfach ist, mit den verschiedenen Hierarchien umzugehen.

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Führungskräfte sind oft unsere Ansprechpersonen für Sicherheit & Gesundheit. Sie setzen die Maßnahmen um, geben die Leitlinien für ihr Team vor, geben das Budget frei, prägen auch stark die Kultur für einen ganzen Bereich und sind natürlich auch Vorbilder mit ihrem Handeln für das Team und die anderen Beschäftigten.

Aber gleichzeitig sind Führungskräfte auch normale Mitarbeitende. Ich spreche hier von allen, denen die Firma nicht selbst gehört. Und das ist i.d.R. auch die Geschäftsführung. Auch diese Personen sind angestellt in einer Firma und machen ihren Job. Auch diese haben EigentümerInnen und teilweise den Aufsichtsrat über sich, die Forderungen stellen und Linien vorgeben.

Ich rede jetzt von Teamleitungen, Abteilungsleitungen, Bereichsleitungen und wie sie nicht alle heißen: All diese sind eigentlich "nur" Mítarbeitende. Diese sind genauso angestellt wie jede Reinigungskraft, jede/r LagermitarbeiterIn, … Sie sind am Papier für mich genau auf einer Ebene.

Aber häufig begegnen wir Führungskräften ganz anders. Und ich nehme mich da leider nicht aus. Auch mir ist es schon passiert, dass ich hier mit einem großen Rucksack an Vorurteilen in ein Gespräch gegangen bin und dann sehr überrascht war, dass das so nicht funktioniert hat.

Also nun die kleine Geschichte dazu:

Ich hatte einen Workshop mit einem telefonischen Kundencenter. Es ging um das Thema "Psychische Belastungen im Homeoffice".

Die Beschäftigten haben mir erzählt, dass sie noch vor wenigen Wochen bis zu 5 Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten durften. Jetzt im Sommer - es war Ende des Sommers - ist das Homeoffice gestrichen. Sie dürfen gar nicht mehr von zu Hause arbeiten.

Die Begründung lautete, dass sie so viele Rückstände hätten (also unbeantwortete Kundenanfragen per Mail und Brief), also zu wenig arbeiten würden und in der Urlaubszeit nicht möglich sei von zu Hause aus zu arbeiten. Die Beschäftigten konnten das nicht nachvollziehen.

Ich wollte also bei der Nachbesprechung mit den Führungskräften herausfinden, was dahinter steckt und hatte innerlich das Gefühl, dass die Führungskräfte hier einen Kontrollzwang haben und keine positive Meinung vom Homeoffice.

Denn das habe ich häufig, dass Führungskräfte glauben, dass Menschen nur im Büro produktiv arbeiten, wenn sie unter Beobachtung stehen.

In der Nachbesprechung, die hybrid angesetzt war, war geplant, dass ich virtuell dazu geschalten werde und die 2 Führungskräfte im Büro im Besprechungsraum sitzen.

Ich komme also in diesen virtuellen Besprechungsraum und sehe einen Chef zu Hause sitzen, ebenfalls im Homeoffice. Ich denke mir (und jetzt bin ich wirklich ganz ehrlich): "So ein Trottel, da macht er genau das, was seine MitarbeiterInnen nicht dürfen und nimmt sich dieses Recht heraus, nur weil er Führungskraft ist."

Er sagte dann gleich von sich aus, dass dies so nicht geplant war, aber er habe sich am Fuß verletzt und kann deshalb nicht gut gehen aktuell. Deswegen sei er heute ausnahmsweise im Homeoffice.
Auch da habe ich mir gedacht: "Er nimmt sich ein Recht heraus, das er seinen Beschäftigten sicher nicht zukommen lässt."

Dann begann unsere Besprechung und ich erzählte unter anderem, dass die MitarbeiterInnen diese Homeoffice-Sperre im Sommer nicht nachvollziehen können, aber dass ja ab Herbst eine neue Homeoffice-Regelung geplant sei mit 3 Tagen pro Woche Homeoffice und einem oder zwei Tag(e) Präsenzarbeit im Büro.

Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass diese direkte Führungskraft gar nicht für die Homeoffice-Regelung verantwortlich war! Die Homeoffice-Regelung stammte von der Generaldirektion, also mindestens zwei Ebenen darüber. Und dass sich diese Führungskraft total geärgert hat über die kommende Homeoffice-Regelung, weil Führungskräfte davon ausgenommen sind. Führungskräfte müssen 4 Tage pro Woche im Büro sein und dürfen maximal 4 Tage pro Monat im Homeoffice arbeiten.

Die Begründung bei den MitarbeiterInnen sei, dass die soziale Komponente nicht verloren geht. Und die Begründung bei den Führungskräften lautete von der Generaldirektion, dass diese immer als AnsprechpartnerInnen fungieren sollen.

Der Chef kann das aber überhaupt nicht nachvollziehen, weil er sagt, dass er ja noch 2 StellvertreterInnen hat und sie sich das damit zu dritt gut aufteilen könnten, dass also immer eine Person als AnsprechpartnerIn im Büro sei.

Er ärgerte sich also auch und ist eigentlich noch schlechter dran als sein Team. Er bestätigte mir auf meine Nachfrage hin, dass man eigentlich 2 Homeoffice-Tage pro Woche verliert sobald man vom Mitarbeiter zur Führungskraft wird.

  

Warum ist das Thema wichtig?

Vielleicht ist es Ihnen ja auch schon mal so gegangen:

Sie sind mit Annahmen oder Vorurteilen (vielleicht unbewusst) reingegangen in ein Gespräch mit einer Führungskraft. Und im Gesprächen haben sich diese nicht bestätigt, sondern sie wurden komplett positiv überrascht.

Führungskräfte sind auch nur Mitarbeitende. Und auch alle Führungskräfte haben ihre eigenen psychischen Arbeitsbedingungen!

Deshalb:

Wann immer es organisatorisch möglich ist, versuche ich z.B. bei einer GBU psychischer Belastungen immer zuerst eine Gruppe zu machen mit den Führungskräften, um deren psychische Belastungen zu evaluieren. Damit ich weiß, was in ihren Köpfen vor sich geht und mit welchen Stressfaktoren diese beschäftigt sind.

Denn so kann ich einen viel ganzheitlicheren Blick bekommen auf ein Team oder auf eine Abteilung!

 

In der Online-Akademie "Pioniere der Prävention" gibt's übrigens ab Februar einen neuen Kurs zum Thema Gruppendynamik & soziale Prozesse. Da zeige ich die wichtigsten sozialpsychologischen Phänomene, damit Sie besser gerüstet sind in der Beratung.

Wenn Sie das interessiert und Sie noch kein Mitglied sind: pionierederpraevention.com/akademie .

 

Weitere Empfehlungen:

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Veronika Jakl

Arbeitspsychologin, Autorin ("Aktiv führen") und Gastgeberin bei den "Pionieren der Prävention".

Begleitet seit 12 Jahren Organisationen dabei motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen und psychische Belastungen zu reduzieren. 
Unterstützt PräventionsexpertInnen, die wirklich etwas bewegen wollen.

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