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HRweb.at: Onboarding | 5 Motivations-Killer für neue Mitarbeiter

Die Motivation ist zu Beginn meistens hoch von neuen Mitarbeitern. Aber das kann sich schnell ändern, wenn Sie beim Onboarding diese 5 Fehler machen. Darauf müssen Sie in den ersten Tagen und Wochen achten!

Onboarding-Fehler 1: Ausstattung ist nicht bereit.

Nichts ist demotivierender als die ersten 3 Tage herumzusitzen und nicht mitarbeiten zu können, weil der Laptop noch nicht einmal bestellt ist. Das zeugt von Desinteresse an der neuen Person und schlechter Organisation.

Zeigen Sie den neuen Beschäftigten, dass Sie sich schon auf Sie gefreut haben und dass Sie ihnen den Einstieg technisch reibungslos ermöglichen wollen.

Vorab müssen Sie an folgende Dinge denken:

  • Laptop/Computer bestellen mit Standard-Software
  • E-Mail-Adresse einrichten
  • Softwarekonfigurationen checken
  • Schreibmaterial, Kalender, … besorgen
  • Telefoneinrichtung erledigen
  • Reinigung von Arbeitsplatz veranlassen
  • Visitenkarten bestellen

Auch wenn dies für Sie vielleicht Kleinigkeiten sind: Als Neuling im Unternehmen kennt man niemanden bei der IT, weiß nicht, wie die Abläufe für Bestellungen sind und kann sonst im schlimmsten Fall in den ersten Tagen gar nicht produktiv arbeiten.

Onboarding-Fehler 2: Niemand hat Zeit am ersten Arbeitstag.

Ich habe es selbst erlebt: Ich kam motiviert und aufgeregt am meinem ersten Arbeitstag in die Firma. Dort war zuerst gähnende Leere und die Sekretärin bat mich zunächst Platz zu nehmen, weil „der Chef kommt immer ein bisschen später“. Und dann kam er und hatte nur Zeit für ein schnelles „Hallo“ bevor er wieder in Meetings abrauschte. Ich blieb zurück mit einer ahnungslosen Sekretärin, die mich dann an einen verstaubten Schreibtisch setze (siehe Fehler 1) und meinte, ich könne mich „in der Zwischenzeit mal in die Firmenbroschüren einlesen“.

Das muss nicht sein! Vereinbaren Sie für den ersten Arbeitstag eine konkrete Beginnuhrzeit und nehmen Sie sich hier genügend Zeit um die neue Person zu begrüßen und dem Team vorzustellen.

Idealerweise machen Sie gleich am ersten Tag ein kleines Meeting um die neue Person in der Gruppen willkommen zu heißen. Dadurch lässt sich vieles einfacher besprechen. Auch die Gruppendynamik verändert sich ja mit einer neuen Person und so werden schneller persönliche Beziehungen aufgebaut.

Sie müssen dann nicht selbst die Basis-Einarbeitung vornehmen, aber dann muss schon ein Teammitglied dafür eingeplant sein.

Onboarding-Fehler 3: Aufgaben und Ziele sind unklar.

Natürlich wird im Vorstellungsgespräch über die Aufgaben gesprochen, die der neue Mitarbeiter erledigen wird. Aber bis dahin werden wohl einige Wochen und Monate vergehen mit der Einschulung. Auch in dieser Zeit sollte der Person klar sein, was von ihr erwartet wird und welche Aufgaben sie in welchem Zeitraum erreichen soll.

Während der Einarbeitungsphase achten Sie darauf das neue Teammitglied nicht zu überfordern mit höchsten Ansprüchen. Aber geben Sie ruhig fordernde Aufgaben, welche den nächsten Schritt auf der Leiter zum normalen Arbeitsalltag darstellen.

So nicht: „Hier haben Sie mal die Projektunterlagen. Lesen Sie sich ein und melden Sie sich, wenn Sie Fragen haben.“

Besser so: „In vier Tagen haben wir eine Präsentation vor dem Kunden. Das hier ist die Projektmappe und die Präsentation. Wenn das für Sie passt, würden Sie dann die Folien 23-27 präsentieren. Schauen Sie sich das heute mal durch. Und morgen besprechen wir dann Ihre Fragen.“

Onboarding-Fehler 4: Die Führungskraft gibt kein Feedback.

Schon nach 1 Woche, sollten Sie sich die Zeit nehmen um dem neuen Teammitglied Rückmeldung zu geben. Blockieren Sie sich dafür rechtzeitig 1 Stunde in Ihrem Kalender.

Folgende Dinge können Sie hierbei besprechen:

  • Ziehen Sie eine Zwischenbilanz.
  • Sind Basiskenntnisse und Zusammenhänge schon bekannt?
  • Was waren bislang die alltäglichen Problemstellungen und Lösungen?
  • Geben Sie ehrliches Feedback und zeigen Sie Wertschätzung!
  • Besprechen Sie die bisherigen Arbeitsergebnisse und Tätigkeiten.
  • Gibt es Optimierungsmöglichkeiten für die kommende Zeit?
  • Vereinbaren Sie einen Termin für ein nächstes Gespräch nächste Woche.

Denken Sie daran neuen Mitarbeitern regelmäßig Feedback zu geben! Das dient der Zielklärung und der Motivation. Es ist wissenschaftlich untersucht, dass eine Abnahme von Feedback nach der ersten Einarbeitungsphase ein guter Prädiktor für Arbeitnehmer-Kündigungen ist!

Onboarding-Fehler 5: Das Ende der Probezeit wird nicht besprochen.

Wenn alles in Ordnung war bis hierher, dann ist für Sie als Führungskraft wahrscheinlich klar, dass das Arbeitsverhältnis nach der Probezeit weitergeht. Aber der neue Mitarbeiter kann das vielleicht nicht so eindeutig einschätzen.

Auch ich hatte schon richtig tolle Mitarbeiterinnen, die selbst jedoch unsicher waren, ob ich sie auch nach der Probezeit behalten möchte. Selbst- und Fremdeinschätzung gehen da manchmal weit auseinander!

Sprechen Sie daher am Ende der Probezeit klar aus, wie es weitergeht. Im Idealfall machen Sie eine kleine Besprechung mit folgenden Punkten:

  • Besprechung aller Arbeitsresultate
  • Festlegung der Prioritäten und Kernkenntnisse
  • Soll-Ist-Aufstellung und ev. Festlegung von Maßnahmen bei Differenzen
  • Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Team?
  • Geben Sie ehrliches Feedback und zeigen Sie (wieder) Wertschätzung!
  • Waren die Erwartungen für die Person bekannt und klar?
  • Wollen Sie die Person weiterbeschäftigen oder endet hier das Arbeitsverhältnis?

Viel Erfolg beim motivierenden Onboarding!

Original-Artikel ist erschienen auf www.hrweb.at

Veronika Jakl

Arbeitspsychologin, Autorin und Vorstandsvorsitzende des Fachforums für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie.

Begleitet seit 10 Jahren Organisationen dabei motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen und psychische Belastungen zu reduzieren. 
Unterstützt PräventionsexpertInnen, die etwas bewegen wollen.

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